Mein neustes Messeabenteuer
Diesmal begann die Aufregung bereits eine Woche vor dem offiziellen Messestart mit dem Absenden von drei dicken Buchpaketen. Da ich noch nie ein Paket „terminiert“ hatte, war die Warterei, bis ich endlich einen Wunschtermin für die Lieferung festlegen konnte, für mich ziemlich nervenaufreibend. Am Samstag funktionierte dies endlich bei zwei der drei Sendungen. Heureka. Aber wo blieb das dritte Paket? Nach dem Wochenende wartete ich Montag und Dienstag hypernervös auf Neuigkeiten, sah immer wieder in der Paketverfolgung nach – weiterhin nichts. Die beiden anderen Lieferungen trafen inzwischen am Zielort ein, wurden jedoch wunschgemäß am Mittwoch ausgeliefert. Erst am Abend dieses Tages – kurz nach dem Ausfüllen des Formulars zur Nachforschung durch den Paketdienst – kam die erlösende Nachricht: „Ihre Sendung ist unterwegs!“.
Eigentlich sollten die fehlenden Werbematerialien und Bücher am Donnerstagmorgen eintreffen, doch die Lieferung verzögerte sich um einen weiteren Tag. Meine Standkollegin Lily Konrad und Solli, geborener LBM-Engel und Verkaufsgenie, kümmerten sich derweil liebevoll um meine Bücher.
Freitagabend ging es für mich los – wie üblich etwas später als eigentlich geplant. Im Hagener Stadtverkehr saß ich mal wieder „auf heißen Kohlen“, da die Zugabfahrt immer näher rückte und ich immer noch vor einer nervigen Ampel festsaß. Diesmal wollte ich schlauer sein und den Parkautomaten mit Münzen füttern, anstatt mit der Karte zu experimentieren, um das richtige Ticket zu treffen. Allerdings spuckte das Gerät dann einen Schein aus, bei dem die Parkzeit schon am Sonntag um kurz vor 18 Uhr endete, anstatt wie gedacht um Mitternacht. In meiner Verzweiflung zog ich ein weiteres Ticket (das dann natürlich nur für Freitag galt) und legte es daneben. Zumindest hatte ich so genug Geld eingeworfen und hoffte, dass die Kontrolleure dies anerkennen würden.
Mit wenigen Minuten Verspätung fuhr mein IC Richtung Leipzig, ich saß drin und war für die nächsten fünfeinhalb Stunden zufrieden. Mit ein paar mehr Minuten Verspätung traf ich um ca. 23:35 Uhr
am Hauptbahnhof ein, fragte mich durch und stand kurz darauf an der Tram-Haltestelle, an der etliche Bahnen warteten. Eine Nummer erschien mir bekannt, ich fragte, ob diese Tram wohl die richtige
sei und eine Mitreisende bestätigte dies. Okay, ich hatte ein gutes Gefühl und stieg ein …
Leider hatte die nette Frau keine Ahnung und diejenige, die welche gehabt hätte, schwieg so lange, bis ich ca. 6-7 Stationen in die falsche Richtung gefahren war. Erschrocken stieg ich sofort
aus. Dunkel, verlassen und einsam lag diese Station da. Die nächste Tram in die andere Richtung sollte erst in 27 Minuten kommen. Eine halbe Ewigkeit um kurz vor Mitternacht! Das musste schneller
gehen … Ich befragte meine App „Leipzigmove“, fand eine Alternative per Bus und rannte mitsamt Koffer und Rucksack in die angegebene Richtung. Meinte ich. Leider fand ich auch mit Google Maps die
besagte Bushaltestelle nicht rechtzeitig und ich stand noch ratloser als zuvor in der dunklen, menschenverlassenen Gegend herum. Nach etlichem vergeblichen Hin und Her tippte ich auf „zu Fuß“ –
noch 4,4 km bis zum Zielort, laut App eine Stunde Marsch. Mittlerweile war mir alles egal, ich war garantiert schneller als die angegebene Zeit und ich wollte endlich ins Bett! Also joggte ich
los. Blöderweise läuft es sich mit großem Koffer an der Hand und schwerem Rucksack auf dem Buckel nicht ganz so flüssig. Zwischendurch machte ich einen uneleganten Adler auf dem Asphalt –
natürlich mit dem Handy in der Hand, das zum Glück recht robust und sturzerprobt war. Leicht lädiert, jedoch froh, dass niemand diese unfreiwillige Slapstickeinlage beobachtet hatte, rappelte ich
mich wieder auf und lief weiter. Irgendwann befahl mir Google Maps, rechts abzubiegen – mitten hinein ins Stockdunkel eines Parks! Die Passanten, die mich dabei beobachteten, müssen kräftig mit
den Köpfen geschüttelt haben, aber das war mir wurscht. Maps zeigte ca. 800-900 Meter in diese Richtung, ich wollte so schnell wie möglich ins Domizil. Taschenlampe an (diese Erfindung am Handy
feiere ich immer noch) und los ging’s!
Kurz vor eins fand ich meine Unterkunft – ein Zimmer im Dachgeschoss eines Hinterhauses. Zum Glück war alles wie beschrieben, der Code für den Schlüsselsafe stimmte und ich kam total verschwitzt, aber unendlich froh in meinem kleinen Reich an. Uff!
Am Samstag hieß es wieder früh aufstehen – schließlich wollte ich mich etwas eher mit Lily treffen, um den Stand ein wenig aufzuhübschen und wusste nicht genau, wie ich dorthin kam. Dennoch klappte diesmal alles reibungslos, ich erstand sogar noch ein leckeres Frühstücksbrötchen am Hauptbahnhof und ließ mich von den erstaunlich zahlreichen Besuchern, die eineinviertel Stunden vor Messeeinlass bereits in Richtung der Heiligen Hallen strebten, mitschwemmen. Ehe sich die Gänge mit Besuchern füllten, dekorierten Lily und ich die nackte Seite der Stand-Rückwand mit unterschiedlichen blauen Sternen, die ich extra zu diesem Zweck vorher ausgeschnitten hatte.
Zwei Tage lang gab es interessante Gespräche, Buchverkäufe, wundervolle Begegnungen mit etlichen Buchmenschen und ziemlich oft die Frage: „Möchtest du mal schätzen, wie viele Gummitiere sich in unserem Glas tummeln?“
Übrigens nahmen insgesamt über 370 Leute an unserem Schätz-Gewinnspiel teil, für das ich extra eine aufwendige Drachenbuchstütze aus Holz angefertigt und sie wie ein rohes Ei zur Messe (und wieder zurück) transportiert hatte.
Vor allem am Sonntag fand unser Angebot reges Interesse und uns blieb kaum ein Augenblick Zeit, um zwischendurch einen Schluck zu trinken, geschweige denn, den Stand zu verlassen. Dafür schauten ein paar bekannte Gesichter vorbei – und vom stets überall anzutreffenden Blogger-Foto-Paar Bärbel und Andreas Zimmer erhielt ich sogar anschließend ein Foto.
Am Sonntagabend hieß es dann plötzlich „Ende“. Was – schon vorbei?
Ich musste mich beim Abbau sputen, um meinen Zug zu erwischen, der glücklicherweise an der Messe hielt. Beim Aufbruch hatte ich nur noch ca. 15 Minuten für den Weg dorthin. Mein zuvor recht leerer Koffer bog sich schier unter der Last von ca. 75 Büchern. Nervös suchte ich einen Aufzug, um nach unten zu gelangen. Da kam mir das Hinweisschild „Aufzug zum Restaurant“ gerade recht! Denn dieses Lokal lag im Erdgeschoss. Also fuhr ich mit dem Mini-Aufzug nach unten und stand in einem engen, irgendwie nach Küchengedöns aussehenden Gang, der garantiert nicht für Besucher gedacht war. Eine verschwitzte Frau in Küchenkleidung sah mich groß an, als ich vorsichtig eine Tür öffnete (die tatsächlich in eine Küche führte) und fragte: „Was machen Sie denn hier?“
„Ich möchte hier raus“, gab ich wahrheitsgemäß zurück, inzwischen in mittlerer Panik, weil mir die Zeit davonlief.
Sie begleitete mich zum Fahrstuhl zurück, fuhr mit mir rauf und meinte dabei kopfschüttelnd: „Wie sind sie überhaupt hier reingekommen? Der Aufzug ist nur für das Restaurantpersonal …“
Sie verstand mein Gestammel über „einfach reingegangen, wollte nur nach unten“ sicherlich nicht genau, wies mir jedoch den Weg zum „richtigen“ Aufzug, auf den ich anschließend mitsamt meinem schweren Gepäck zustürmte.
Nichts konnte mich aufhalten, auch nicht der Mann mit dem Rollwagen vor der Aufzugtür, der mir bei meiner Entschuldigung, dass ich meinen Zug kriegen müsste, noch hinterherrief: „Dann nehmen Sie einfach den nächsten!“
„Es gibt keinen nächsten!“, konterte ich – vermutlich drei Tonlagen zu hoch – und war auch schon weg.
Rasch enterte ich die Tram, die gerade einfuhr, um ausnahmsweise mal Zeit zu sparen, da der Weg zum Messebahnhof mindestens einen halben bis dreiviertel Kilometer betrug, aber da die Bahn erst „in drei Minuten“ losfahren sollte, stieg ich mit meiner enormen Last wieder aus und rannte los. Drei Minuten waren zu lang! Der Koffer war wie ein störrisches Kind, das immer woanders hinwollte als ich, aber ich musste zum Zug …
Keuchend erreichte ich den Fahrstuhl - zwei Minuten vor Abfahrt! Der Zug kam kurz nach mir beim Gleis an und ich stieg dampfend, jedoch äußerlich völlig cool ein.
Bis Hannover lief alles glatt, das Umsteigen gestaltete sich einfach, da der nächste IC vom Gleis gegenüber fahren sollte. Leider verspätete sich dieser während der Fahrt zunehmend, sodass ich
erst ca. 23:45 Uhr in Hagen ausstieg. Wenigstens hatte ich kein Knöllchen am Auto und fand auf Anhieb die Ausfahrt des Parkplatzes (auch das war mir in der Vergangenheit im Dunkeln bereits
schwergefallen).
Meinem Navi bin ich immer noch böse, dass es mich anschließend in die falsche Richtung gelotst hat – zu einer Strecke, die gesperrt war. Es bestand darauf, dass ich diesen Weg nehmen sollte, ganz
gleich, welchen ich alternativ einschlug, sodass ich schließlich verzweifelt zu meinem Handy und Google Maps griff.
Tja, während ich versuchte, die Karte zu entziffern – Maps weigerte sich, mit mir zu reden – gab es einen Blitz … Okay, hier war eine Dreißiger-Zone. Grrr.
Ziemlich entnervt, hundemüde, jedoch glücklich darüber, heil und gesund angekommen zu sein, enterte ich schließlich gegen zwanzig vor eins meine Garage und kurz darauf das sehnlichst erwartete
Bett. Zwar mit der nicht ganz so erfreulichen Aussicht, in knapp 5 Stunden wieder aufzustehen und zur Arbeit zu fahren, aber immerhin – es hat sich wirklich gelohnt!

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Katja (Mittwoch, 07 Mai 2025 11:45)
Was für ein Ritt! Aber gut, dass du das alles erfolgreich überstanden und für uns diesen spannenden Kurzkrimi hinterlassen hast. ;)
Liebe Grüße
Katja